Abgründe hinter der Idylle: Die CRIMINALE 2026 war zu Gast im Emailwerk Seekirchen
Im Rahmen der diesjährigen CRIMINALE – dem größten Krimi-Branchentreff Europas, der 2026 in Stadt und Land Salzburg gastiert – lud das Emailwerk Seekirchen zu einem literarischen Abend der besonderen Art. Im Zentrum standen die österreichischen SpannungsautorInnen Mina Albich und Herbert Dutzler. Sie präsentierten Texte aus der neu erschienenen Festivalanthologie „Mord und Mozartkugel“, die den dunklen Geheimnissen hinter der glanzvollen Weltkulturerbe-Fassade Salzburgs nachspürt. Das Ergebnis war ein Abend, der durch atmosphärische Dichte, Gänsehautmomente und feinsinnigen Humor überzeugte.
Bereits zu Beginn der Veranstaltung wurde deutlich, dass hier nicht einfach nur Texte vorgetragen, sondern Geschichten zum Leben erweckt werden. Das Publikum lauschte nahezu mucksmäuschenstill, als Mina Albich den Abend eröffnete. Die promovierte Wienerin, ausgebildete Kriminalpsychologin und Mediatorin, las ihre Kurzgeschichte „Vierzehn“. Albichs Stärke liegt in der psychologischen Tiefe: Sie verzichtet auf plakative Blutbäder und setzt stattdessen auf fein durchdachte Figurenzeichnungen. Für sie ist eine Lesung mehr als nur ein Vortrag: „Ein gutes Buch zu lesen ist Hochgenuss. Aber sich vorlesen zu lassen, das ist ein Eintauchen in die Gedankenwelt des Autors“, so die Autorin. Diesem Anspruch wurde sie vollauf gerecht. Sie nahm sich ausführlich Zeit für den Dialog mit dem Publikum und gewährte sympathische Einblicke in ihre „Schreibstube“.
Im zweiten Teil des Abends bewies Herbert Dutzler, der unter anderem durch seine überaus erfolgreichen Ausseerland-Krimis um Inspektor Gasperlmaier bekannt ist, sein außergewöhnliches Talent als Vorleser. Mit seiner Geschichte „Moorleiche, frisch“ brachte er nicht nur Hochspannung, sondern auch die für ihn typische Situationskomik und eine gehörige Portion schwarzen Humor auf die Bühne, der auch Seekirchen als Teil der Story nicht ausklammerte. Dutzler, ein ehemaliger Lehrer, besticht durch sprachliche Präzision und eine bemerkenswerte stimmliche Wandlungsfähigkeit. Er verlieh jedem seiner Charaktere eine unverkennbar eigene Stimme, was seine Lesung phasenweise zu einem fast schon schauspielerischen Erlebnis machte und durchaus an seine berühmteste Figur erinnerte, den unvergesslichen Kommissar Franz Gasperlmaier, einen Polizisten mit Ecken und Kanten, der mit seinem grantigen Charme und unkonventionellen Methoden das Herz einer ganzen Lesergemeinde eroberte und inzwischen sogar fürs Fernsehen verfilmt wurde.
Beiden Autoren gelang es meisterhaft, ihre Textpassagen so geschickt auszuwählen, dass die Neugier des Publikums maximal geweckt wurde, ohne dabei zu viel von der eigentlichen Handlung oder gar der Auflösung vorwegzunehmen.
Fazit: Die Lesung im Emailwerk war ein vergnüglicher, spannender und literarisch hochwertiger Abend. Mina Albich und Herbert Dutzler lieferten den lebhaften Beweis dafür, dass die Kombination aus malerischen Kulissen wie dem Salzburgerland und dunklen Abgründen – genau wie in der Anthologie „Mord und Mozartkugel“ – ein Garant für mörderisch gute Unterhaltung ist.
(lf)
