Da hilft der Gips auch nicht!
Gute Unterhaltung findet immer einen Weg. So auch vergangenes Wochenende im Emailwerk. Selbst wenn ein mobil eingeschränkter Edi Jäger mit Gipsfuß den Abend sitzend verbringen musste. Wer um alles in der Welt schafft es, sich während eines Kuraufenthaltes einen Gipsfuß zuzulegen? Wäre es nicht tatsächlich passiert – Jäger hätte vermutlich selbst einen Sketch daraus gemacht. Doch das nur am Rande. Denn im Fokus des Abends „Pop, Blues & Pointen“ standen neben Jäger seine Tochter Magdalena Köchl sowie die Musiker Philipp Kopmajer (Schlagzeug) und Roli Wesp (Piano). Der Abend entwickelte sich zu einem fließenden Wechselspiel zwischen Musik und Kabarett. Während Köchl mit kraftvoller Stimme bekannte Songs interpretierte, sorgte Edi Jäger immer wieder mit humorvollen, manchmal herrlich absurden Geschichten für die „Pointen“ des Titels. Er nahm auf einem Stuhl am Bühnenrand Platz, kommentierte musikalische Momente oder erzählte Anekdoten, die mit trockenem Humor gespickt waren – skurrile Alltagsgeschichten, die der Realität manchmal so nahekamen, dass man über die Ironie nur noch mehr lachen musste. Musikalisch überzeugte Köchl vor allem mit ihrem sinnlichen, tiefen Alt, der manchem Stück einen regelrechten Gänsehautmoment verlieh. Ihre Interpretation des Klassikers „House of the Rising Sun“ wurde zu einem der atmosphärischen Höhepunkte des Abends. Getragen vom bluesigen Piano und dem dezent groovenden Schlagzeug entwickelte sich der Song langsam zu einer intensiven Klanglandschaft. Köchls Stimme bewegte sich souverän zwischen rauer Bluesfärbung und klaren, kraftvollen Höhen – ein Vortrag, der spürbar unter die Haut ging.
Auch bei „Jolene“ zeigte sie ihre stilistische Bandbreite. Statt einer reinen Country-Version präsentierte die Band eine leicht bluesige Interpretation, bei der Roli Wesp am Flügel mit eleganten Läufen glänzte und Philipp Kopmajer mit zurückhaltendem, aber präzisem Rhythmus den Song erdete. Köchl verlieh dem Stück eine Mischung aus Leidenschaft und erzählerischer Intensität, die das Publikum sichtbar mitriss. Wenn Rian dann eskaliert – Köchls Interpretation schmückt den Gassenhauer mit einer charmant-ironischen Note. Überhaupt war das Zusammenspiel der Musiker bemerkenswert. Wesp gestaltete viele Stücke mit feinem Gespür für Dynamik – mal zurückhaltend und atmosphärisch, mal mit energischen Akkorden, die den Songs zusätzliche Farbe verliehen. Kopmajer wiederum bewies ein ausgezeichnetes Timing: Sein Schlagzeugspiel war nie aufdringlich, aber immer präsent und musikalisch klug gesetzt, die vokale Überstimme zu Magdalena Köchls Alt unvergesslich.
Dazwischen agierte ein körperlich immobiler, aber in seiner Redegewandtheit umso entfesselter Jäger. In manchen seiner Einspielungen prasselte ein Ironie-gesättigtes Wortstakkato auf das Publikum ein, sodass man das Gefühl hatte, aufgrund der Geschwindigkeit über drei Pointen gleichzeitig lachen zu müssen. Jeder Mensch hat seinen eigenen Humor, doch mit seinem Volltreffer – der sarkastischen Wiedergabe der Festrede eines typischen Dorfpolitikers – vereinte er das gesamte Publikum in einem kollektiven, minutenlangen Lachanfall. Besonders gelungen war die Balance zwischen Musik und Wort. Keines dominierte das andere; vielmehr entstand ein Dialog zwischen den beiden Ebenen. Ein Song konnte emotional berühren – und unmittelbar danach löste eine humorvolle Pointe die Spannung wieder auf. Gerade das Fehlen einer streng aufgebauten Dramaturgie verlieh dem Abend eine wunderbare, ungezwungene Leichtigkeit. Das Publikum im Emailwerk reagierte begeistert: Zwischen konzentriertem Zuhören bei den musikalischen Nummern und herzlichem Gelächter bei Jägers kabarettistischen Einlagen entstand eine lebendige, warme Stimmung. Selbstredend wegen der reizvollen Vater-Tochter-Kombi, aber auch abseits davon fühlte man sich herzlich umarmt.
(mw)
